Umsatz pro Stunde – die unterschätzte Dienstleister-KPI
Zwei Selbstständige, beide mit € 120.000 Jahresumsatz. Der eine arbeitet 60 Stunden pro Woche, der andere 35. Rate mal, wer zufriedener ist. Umsatz allein sagt bei Dienstleistern fast nichts – der wahre Erfolgsmesser ist **Umsatz pro Stunde**. Hier die Anleitung.
Was ist "Umsatz pro Stunde" wirklich?
Nicht dein offizieller Stundensatz. Sondern: Gesamtumsatz ÷ tatsächlich gearbeitete Stunden (inkl. Akquise, Admin, Pausen, Nachbesserung).
Beispiel: € 120.000 Jahresumsatz, 50 h/Woche × 48 Wochen = 2.400 Stunden → effektiver Umsatz pro Stunde = € 50.
Das ist die ehrliche Zahl. Nicht dein Kundenstundensatz (der vielleicht bei € 90 liegt), sondern was pro tatsächlicher Arbeitsstunde übrig bleibt.
Warum diese Zahl entscheidend ist
Vier Gründe:
- Burnout-Schutz: Wenn du mehr Stunden brauchst für gleichen Umsatz, brennt das System
- Positionierungs-Check: Niedriger Wert = falsche Kundengruppe, falsches Angebot, oder beides
- Wachstums-Hebel: Umsatz verdoppeln mit gleichen Stunden ist erstrebenswerter als Umsatz verdoppeln mit doppelten Stunden
- Vergleichsgröße: Zwischen Projekten, Kunden, Geschäftsfeldern ein objektiver Maßstab
Wie du den Wert verbesserst
Drei Hebel, in Reihenfolge ihrer Wirksamkeit:
- Stundensatz erhöhen: 10 % mehr = 10 % mehr Umsatz pro Stunde – ohne Zusatzarbeit
- Nicht-verrechenbare Stunden reduzieren: weniger Admin, weniger Akquise-Aufwand, bessere Prozesse
- Auslastung erhöhen: nur wenn du noch Luft hast und nicht am Limit bist
Nicht-verrechenbare Zeit entlarvt
Die meisten Selbstständigen überschätzen ihre verrechenbaren Stunden brutal. Schlage drauf:
- Akquise & Angebote schreiben
- Rechnungen, Buchhaltung, Mahnwesen
- E-Mail-Beantwortung (außerhalb von Projekten)
- Weiterbildung, Recherche
- Leerlauf zwischen Aufträgen
- Pausen und "Ich-arbeite-eigentlich-grad-nicht"-Zeiten
Realistische verrechenbare Quote: 50–65 % der Gesamtarbeitszeit. Wer mit 80 % rechnet, rechnet sich reich.
Umsatz pro Stunde messen in infinia
Das brauchst du:
Zeiterfassung: Nicht nur für Kundenprojekte, sondern für deine gesamte Arbeitszeit. Kategorien wie "Projekt Kunde X", "Admin", "Akquise" helfen, später Ehrlichkeit zu haben.
Umsatz-Auswertung: Monats- oder Jahresumsatz auf Knopfdruck.
Der Rechner selbst: (Monatsumsatz ÷ gesamt geloggte Arbeitsstunden) — das rechnest du manuell oder in einer kleinen Tabelle. Aber die Input-Daten liegen sauber in infinia.
Was "gut" aussieht
Grobe Richtwerte (Österreich, 2026):
- Kreativer Freelancer: € 40–70 / effektive Stunde
- IT-Consultant: € 70–120
- Berater / Coach: € 80–150
- Spezialist (z.B. Tax-Anwalt, Premium-Coach): € 150+
Liegst du deutlich darunter, ist nicht "noch mehr arbeiten" die Antwort, sondern eine strategische Neu-Positionierung.
Fazit
Umsatz pro Stunde ist die Zahl, die dich ehrlich macht. Sie lässt sich nicht schönrechnen, nicht verstecken, und sie korrigiert Selbstbetrug ("ich arbeite ja eh nicht so viel"). Einmal ermittelt, steuerst du dein Geschäft bewusster – und trennst Wachstum in Umsatz von Wachstum in Stunden.
Häufige Fragen
Soll ich alle Stunden tracken oder nur verrechenbare?
Alle. Nur dann siehst du deine echte verrechenbare Quote und kannst sie verbessern.
Mein Umsatz pro Stunde ist niedrig. Was tun?
Analyse: liegt's an zu vielen Admin-Stunden (→ automatisieren/auslagern), zu niedrigen Preisen (→ Stundensatz anheben) oder zu geringer Auslastung (→ Akquise)?
Wie oft messen?
Monatlich. Bei großen Projekten auch projektbezogen. Wird mit der Zeit Routine.
Weniger Aufwand, mehr Zeit für dein Geschäft.
infinia bündelt Angebote, Rechnungen, Lager und Kundenverwaltung in einer Anwendung. Made in Austria.
