Analyse

Umsatz pro Stunde – die unterschätzte Dienstleister-KPI

Thomas Thier 05. November 2025 5 min Lesezeit

Zwei Selbstständige, beide mit € 120.000 Jahresumsatz. Der eine arbeitet 60 Stunden pro Woche, der andere 35. Rate mal, wer zufriedener ist. Umsatz allein sagt bei Dienstleistern fast nichts – der wahre Erfolgsmesser ist **Umsatz pro Stunde**. Hier die Anleitung.

Was ist "Umsatz pro Stunde" wirklich?

Nicht dein offizieller Stundensatz. Sondern: Gesamtumsatz ÷ tatsächlich gearbeitete Stunden (inkl. Akquise, Admin, Pausen, Nachbesserung).

Beispiel: € 120.000 Jahresumsatz, 50 h/Woche × 48 Wochen = 2.400 Stunden → effektiver Umsatz pro Stunde = € 50.

Das ist die ehrliche Zahl. Nicht dein Kundenstundensatz (der vielleicht bei € 90 liegt), sondern was pro tatsächlicher Arbeitsstunde übrig bleibt.

Warum diese Zahl entscheidend ist

Vier Gründe:

  • Burnout-Schutz: Wenn du mehr Stunden brauchst für gleichen Umsatz, brennt das System
  • Positionierungs-Check: Niedriger Wert = falsche Kundengruppe, falsches Angebot, oder beides
  • Wachstums-Hebel: Umsatz verdoppeln mit gleichen Stunden ist erstrebenswerter als Umsatz verdoppeln mit doppelten Stunden
  • Vergleichsgröße: Zwischen Projekten, Kunden, Geschäftsfeldern ein objektiver Maßstab

Wie du den Wert verbesserst

Drei Hebel, in Reihenfolge ihrer Wirksamkeit:

  • Stundensatz erhöhen: 10 % mehr = 10 % mehr Umsatz pro Stunde – ohne Zusatzarbeit
  • Nicht-verrechenbare Stunden reduzieren: weniger Admin, weniger Akquise-Aufwand, bessere Prozesse
  • Auslastung erhöhen: nur wenn du noch Luft hast und nicht am Limit bist
Die Reihenfolge ist wichtig. Bei 70 h-Wochen zuerst den Stundensatz erhöhen – nicht mehr Stunden nachlegen.

Nicht-verrechenbare Zeit entlarvt

Die meisten Selbstständigen überschätzen ihre verrechenbaren Stunden brutal. Schlage drauf:

  • Akquise & Angebote schreiben
  • Rechnungen, Buchhaltung, Mahnwesen
  • E-Mail-Beantwortung (außerhalb von Projekten)
  • Weiterbildung, Recherche
  • Leerlauf zwischen Aufträgen
  • Pausen und "Ich-arbeite-eigentlich-grad-nicht"-Zeiten

Realistische verrechenbare Quote: 50–65 % der Gesamtarbeitszeit. Wer mit 80 % rechnet, rechnet sich reich.

Umsatz pro Stunde messen in infinia

Das brauchst du:

Zeiterfassung: Nicht nur für Kundenprojekte, sondern für deine gesamte Arbeitszeit. Kategorien wie "Projekt Kunde X", "Admin", "Akquise" helfen, später Ehrlichkeit zu haben.

Umsatz-Auswertung: Monats- oder Jahresumsatz auf Knopfdruck.

Der Rechner selbst: (Monatsumsatz ÷ gesamt geloggte Arbeitsstunden) — das rechnest du manuell oder in einer kleinen Tabelle. Aber die Input-Daten liegen sauber in infinia.

Was "gut" aussieht

Grobe Richtwerte (Österreich, 2026):

  • Kreativer Freelancer: € 40–70 / effektive Stunde
  • IT-Consultant: € 70–120
  • Berater / Coach: € 80–150
  • Spezialist (z.B. Tax-Anwalt, Premium-Coach): € 150+

Liegst du deutlich darunter, ist nicht "noch mehr arbeiten" die Antwort, sondern eine strategische Neu-Positionierung.

Fazit

Umsatz pro Stunde ist die Zahl, die dich ehrlich macht. Sie lässt sich nicht schönrechnen, nicht verstecken, und sie korrigiert Selbstbetrug ("ich arbeite ja eh nicht so viel"). Einmal ermittelt, steuerst du dein Geschäft bewusster – und trennst Wachstum in Umsatz von Wachstum in Stunden.

Häufige Fragen

Soll ich alle Stunden tracken oder nur verrechenbare?

Alle. Nur dann siehst du deine echte verrechenbare Quote und kannst sie verbessern.

Mein Umsatz pro Stunde ist niedrig. Was tun?

Analyse: liegt's an zu vielen Admin-Stunden (→ automatisieren/auslagern), zu niedrigen Preisen (→ Stundensatz anheben) oder zu geringer Auslastung (→ Akquise)?

Wie oft messen?

Monatlich. Bei großen Projekten auch projektbezogen. Wird mit der Zeit Routine.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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