Finanzen

Skonto anbieten? Die ehrliche Rechnung

Thomas Thier 18. September 2024 4 min Lesezeit

"2 % Skonto bei Zahlung in 14 Tagen, 30 Tage netto." Steht auf vielen Rechnungen. Klingt günstig – ist aber effektiv einer der teuersten Finanzierungsformen überhaupt. Die ehrliche Rechnung macht das sichtbar.

Warum Skonto effektiv ein Kredit ist

Wer Skonto anbietet, verkauft de facto günstiges Geld:

Beispiel: 2 % Skonto bei 14 Tagen statt 30 Tagen.

Der Kunde kann entweder 14 Tage früher € 98 zahlen oder 16 Tage später € 100.

Effektiv: € 2 Zinsen für 16 Tage Kredit. Auf Jahresbasis hochgerechnet:

2 % × 365 / 16 = ca. 45 % Jahreszins

Das ist teurer als jeder Dispokredit.

Wann Skonto trotzdem sinnvoll ist

Drei Szenarien:

  • Akuter Liquiditätsbedarf: Du brauchst dringend Geld, Kreditkosten wären höher als Skonto
  • Gewohnheits-Kunden: manche Branchen erwarten Skonto, Angebot ohne Skonto wäre unübersichtlich
  • Zahlungsverhalten verbessern: schlechte Zahler werden durch Skonto schneller

Außerhalb dieser Fälle: Skonto oft ein kostspieliges Goodie, das man nicht bräuchte.

Was stattdessen geht

Alternativen mit besserem ROI:

  • Bank-Finanzierung bei akutem Bedarf: Jahreszins 5–10 % ist billiger als Skonto
  • Kürzere Zahlungsziele festsetzen (14 Tage statt 30 Tage)
  • Anzahlungen bei größeren Aufträgen
  • Mahnwesen konsequent ab Tag 1 nach Fälligkeit
Oft: nicht "Skonto einführen", sondern "Zahlungsverhalten strukturell verbessern" ist die bessere Antwort.

Wer nutzt Skonto wirklich?

Interessant: In der Praxis nutzt nur ein kleinerer Teil der Kunden Skonto-Angebote tatsächlich. Die Gründe:

  • Buchhaltung ist nicht organisiert genug für schnelle Zahlung
  • Cashflow-Situation erlaubt nicht immer Sofort-Zahlung
  • Der Aufwand für Skonto-Berechnung wird unterschätzt

Wer 30 % des Skontos wirklich "verliert", zahlt nur für 30 % der Rechnungen – die Rechnung ist realistischer, aber die Effektiv-Zinsen bleiben hoch.

Praktische Empfehlung

Für die meisten KMU:

  • Kein Standard-Skonto in den Zahlungsbedingungen
  • Bei Großaufträgen individuell verhandeln (Skonto gegen Anzahlung)
  • Stattdessen: klare 14-Tage-Zahlungsziele kommunizieren
  • Konsequentes Mahnwesen ab Tag 1

In infinia: Skonto flexibel einsetzen

  • Skonto-Einstellungen pro Kunde möglich
  • Skonto-Betrag automatisch auf Rechnung ausgewiesen
  • Pauschale Zahlungsbedingungen als Textbausteine
  • Mahnwesen kann konsequent parallel laufen

Fazit

Skonto ist eines der teuersten Finanzierungs-Instrumente – effektive Jahreszinsen von 30–50 % sind die Regel. Nur sinnvoll, wenn du wirklich akut Liquidität brauchst oder die Branche es verlangt. Für die meisten Betriebe: kürzere Zahlungsziele + strikte Mahnungen sind die bessere Antwort.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Skonto-Effektivzins?

Formel: Skonto-% × (360 / (Zahlungsziel - Skonto-Tage)). Bei 2 % / 14 Tagen / 30 Tagen: 2 × (360/16) = 45 %.

Muss ich Skonto anbieten, wenn andere es tun?

Nein, aber kommuniziere klar die Konditionen. Manche Branchen erwarten es – Abweichung rechtfertigen können.

Skonto kumulieren mit anderen Rabatten?

Im Vertrag regeln. Meist: Skonto auf den bereits rabattierten Nettobetrag, nicht auf Bruttopreis.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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