Strategie

Produkt-Pakete – warum Bündel besser verkaufen

Thomas Thier 08. Jänner 2025 5 min Lesezeit

Bei der Frage "Was kostet das bei Ihnen?" antworten die meisten mit einer Zahl. Besser ist oft: mit drei Zahlen. Drei Pakete, drei Niveaus. Der Kunde wählt nicht mehr zwischen "ja oder nein", sondern zwischen "welches". Das verändert die Gespräche fundamental.

Das Good-Better-Best-Prinzip

Drei Stufen:

  • Basis (Good): die günstigste Option, Grundleistung
  • Standard (Better): die beliebteste Option, meiste verkauft
  • Premium (Best): die teuerste Option, maximaler Umfang

Der Trick: die meisten Kunden wählen die Mittelstufe – weil sie bewusst nicht den Billigen nehmen wollen, aber auch nicht überzahlen. Die Mittelstufe ist oft dein wirtschaftlich bestes Ergebnis.

Was die drei Pakete bewirken

  • Entscheidungs-Rahmen: Kunde denkt "welches", nicht "ja/nein"
  • Anker-Effekt: Premium-Preis macht Mittelstufe günstig wirken
  • Vergleich-Ersatz: Kunde vergleicht innerhalb deiner Pakete, nicht mit der Konkurrenz
  • Weniger Verhandlung: Paket-Preise sind fix, individuelle Preise werden verhandelt
In der Praxis: bei drei Paketen wählen die meisten Kunden die Mittelstufe – Premium und Basis teilen sich den Rest. Ohne Paket-Struktur: deutlich weniger Upsell.

Wie die Pakete bauen

Regeln:

  • Basis: nicht "abgespeckt", sondern "Einstiegs-Lösung" – muss alleine wirklich funktionieren
  • Standard: Basis + 2–3 wichtige Zusatz-Features, die oft gewünscht sind
  • Premium: Standard + Extras für anspruchsvolle Kunden (VIP-Support, Sonderleistungen, mehr Umfang)

Wichtig: die Sprünge zwischen den Paketen müssen erkennbar mehr Wert bringen, nicht nur "mehr Menge".

Preis-Gestaltung

Faustregeln:

  • Standard ca. 1,5× Basis
  • Premium ca. 1,5× Standard (also 2,25× Basis)
  • Premium darf bewusst "zu teuer" wirken – macht Standard attraktiv
  • Alle Preise rund, einprägsam

Beispiel: Basis € 990, Standard € 1.490, Premium € 2.290. Klare Struktur, klar unterscheidbar.

Beispiele aus verschiedenen Branchen

  • Webdesign: Basis (Template-Site), Standard (individuell + SEO), Premium (+ Betreuung 6 Monate)
  • IT-Service: Basis (Reaktion 24h), Standard (12h), Premium (4h + Priorität)
  • Beratung: Basis (Analyse), Standard (Analyse + Konzept), Premium (Analyse + Konzept + Umsetzungs-Begleitung)
  • Wartung: Basis (jährlich), Standard (quartalsweise), Premium (monatlich + Notfall)

Die Präsentation

Drei-Spalten-Darstellung mit:

  • Paket-Name, Preis, Zielgruppe-Hinweis
  • Liste der Features pro Paket
  • Mittelstufe visuell hervorgehoben ("Am beliebtesten")
  • Häkchen für enthalten, Kreuz / leer für nicht enthalten

Typische Fehler

  • Zu viele Pakete (4+) → Entscheidungs-Lähmung
  • Zu ähnliche Pakete → Unterschiede nicht klar, Wahl unklar
  • Basis zu "abgespeckt" → Kunden lehnen komplett ab statt Basis zu nehmen
  • Premium zu "normal" → keine Ankerwirkung

In infinia: Pakete als Artikel-Gruppen

  • Artikel als "Paket" anlegen, bestehend aus mehreren Leistungs-Positionen
  • Preis pro Paket fix hinterlegt
  • Varianten (Basis/Standard/Premium) als separate Artikel
  • Umsatzstatistik: welches Paket wird wie oft gekauft

Fazit

Pakete verändern die Verkaufsdynamik komplett. Statt um "ob" geht's um "welches". Der Effekt: mehr Upsell, weniger Preisdruck, klarere Positionierung. Einmal strukturiert, verkaufen sich Pakete fast von alleine.

Häufige Fragen

Was, wenn mein Geschäft zu individuell für Pakete ist?

Dann wirklich? Die meisten Leistungen lassen sich in Pakete fassen, wenn man 80 % der Fälle betrachtet. Sonderfälle bleiben individuell.

Drei Pakete immer, oder auch mehr?

Drei ist Optimum. Zwei ist zu wenig (kein Mittel-Anker). Vier+ ist zu viel (Entscheidungs-Lähmung).

Was, wenn keiner das Premium-Paket wählt?

Premium dient auch als Anker-Punkt. Wenn 5 % Premium kaufen, ist das oft schon der Profit-Bringer.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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