Strategie

Value-based Pricing – weg vom Stundensatz-Denken

Thomas Thier 15. Jänner 2025 6 min Lesezeit

Viele Dienstleister, Berater und Freelancer denken in Stundensätzen: "Ich mache pro Stunde € 80." Das ist fair – aber es deckelt das Geschäft. Schneller arbeiten = weniger verdienen. Value-based Pricing dreht die Logik um: der Kunde zahlt für den Wert, den die Leistung für ihn hat – nicht für die investierte Zeit. Komplexer, aber lohnender.

Das Grundproblem beim Stundensatz

Stundensätze belohnen Ineffizienz:

  • Je schneller du arbeitest, desto weniger verdienst du
  • Je mehr Erfahrung du hast, desto weniger brauchst du Stunden – weniger Einkommen
  • Der Kunde zahlt für Zeit, nicht für Ergebnis
  • Obergrenze definiert durch verfügbare Stunden

Ein erfahrener Experte, der ein Problem in 2 Stunden löst, verdient weniger als ein Anfänger, der 8 Stunden dafür braucht. Das ist paradox.

Was Value-based Pricing bedeutet

Der Preis orientiert sich am Wert für den Kunden:

  • Was ist die Lösung dem Kunden wert (finanziell oder anders)?
  • Wie viel spart / gewinnt der Kunde dadurch?
  • Wie dringend ist das Problem?

Beispiel: Ein Consultant löst ein Logistik-Problem, das dem Kunden € 50.000/Jahr spart. Preis dafür? Vielleicht € 10.000 als Projekt-Pauschale. Ob der Consultant 20 oder 80 Stunden braucht, ist egal.

Der Wandel im Angebot

Statt "Ich rechne € 85/Stunde":

  • Projekt-Pauschale: "Dieses Projekt löse ich für € X"
  • Ergebnis-Pauschale: "Diese Website / Strategie / Analyse kostet € Y"
  • Abonnement / Retainer: "€ Z pro Monat, dafür erhältst du ABC"
  • Erfolgs-Komponente: Grundpauschale + Bonus bei Zielerreichung
Zentral: Das Angebot dreht sich nicht um Input (Stunden), sondern um Output (Resultat).

Wie den richtigen Preis finden

Schritte:

  • Gespräch mit Kunde: Was ist das Problem? Was kostet es aktuell?
  • Wert quantifizieren: Ersparnis / Mehrumsatz / vermiedener Schaden
  • Preis-Ankerpunkt: 10–30 % des errechneten Wertes
  • Angebot präsentieren: nicht als Rechnung nach Stunden, sondern als Lösung

Je besser du den Wert versteht, desto selbstbewusster der Preis.

Der Unterschied in der Präsentation

Stundensatz: "Ich schätze 40 Stunden, also € 3.400."

Value-based: "Die Lösung für Ihr Problem ist ein Paket bestehend aus X, Y, Z. Investment: € 7.500."

Der gleiche Aufwand, aber mit anderem Preis und anderem Framing.

Wann Stundensatz doch besser ist

Value-based ist nicht immer richtig:

  • Bei kleinen, klar abgrenzbaren Aufgaben
  • Bei Aufgaben ohne klaren "Wert" (z.B. Support-Stunden)
  • Bei Dauer-Beziehungen, wo Kunde gerne Flexibilität möchte
  • Wenn man noch wenig Erfahrung hat und Pauschale zu riskant ist

Reiner Stundensatz für einfache Arbeiten, Value-based für komplexe Projekte ist oft die gesunde Mischung.

Der Mindshift

Value-based Pricing ist nicht nur Methode, sondern Mindset:

  • Du verkaufst Lösungen, nicht Zeit
  • Erfahrung ist Asset, nicht Kostenfaktor
  • Effizienz wird belohnt, nicht bestraft
  • Preis = Wert, nicht Kosten × Aufschlag

In infinia: Pauschal-Angebote managen

  • Angebotsmuster für verschiedene Pauschalen
  • Projekt-Zuordnung der geleisteten Arbeit (zur internen Kontrolle)
  • Deckungsbeitrag pro Projekt (siehe Nachkalkulation)
  • Wiederholungs-Rechnungen für Retainer / Abo-Modelle

Fazit

Value-based Pricing ist die Premium-Liga. Es braucht Erfahrung, Selbstbewusstsein und gute Kunden-Gespräche. Der Weg dahin lohnt sich: höhere Margen, bessere Kunden, weniger "ich arbeite, um zu leben"-Gefühl. Wer den Schritt wagt, will selten zurück.

Häufige Fragen

Was, wenn der Kunde nach Stunden fragt?

"Die Stunden schwanken je nach Projekt – deshalb arbeiten wir mit Festpreisen, die den Wert für Sie widerspiegeln." Ehrlich, klar, nicht defensiv.

Wie fange ich mit Value-based an?

Mit einem einzigen Angebot: statt Stundensatz Pauschale nennen. Reaktion beobachten. Schrittweise mehr Angebote umstellen.

Was, wenn Projekt mehr Aufwand wird als gedacht?

Pauschal-Risiko. Lösung: sorgfältigere Angebotsphase, klare Scope-Definition, Aufschläge bei Änderungen. Erfahrung wird das besser.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

Weniger Aufwand, mehr Zeit für dein Geschäft.

infinia bündelt Angebote, Rechnungen, Lager und Kundenverwaltung in einer Anwendung. Made in Austria.