Strategie

Einführungspreise – wann sie sinnvoll sind und wann nicht

Thomas Thier 01. Februar 2025 5 min Lesezeit

Ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung – und natürlich mit Einführungsrabatt starten. "Damit die ersten Kunden kommen." Das ist oft richtig. Aber genauso oft beginnt damit ein Teufelskreis: Kunden, die nur wegen des Preises kamen, bleiben nur, solange der Preis niedrig bleibt. Die Balance ist entscheidend.

Wann Einführungspreise Sinn machen

Drei klare Use-Cases:

  • Unbekannte Leistung: Kunden wissen nicht, was sie kriegen – niedrigerer Preis senkt Risiko
  • Referenz-Kunden: Erste Kunden als Testimonials für später – Rabatt gegen Aussage / Fallstudie
  • Lern-Phase: Man sammelt selbst Erfahrung – nicht zu teuer verkaufen, was man selbst noch optimiert

Wichtig bei allen: klares Ende des Einführungsrabatts. Nicht "erstmal günstig, mal sehen".

Wann Einführungspreise falsch sind

  • Etablierte Kategorie: wenn Konkurrenz da ist, muss Wert konkurrieren – nicht Preis
  • Kauf-Entscheider ist Wert-Fokussiert: Premium-Segment nimmt günstige Einführung als Abwertung wahr
  • Wenn du dir den niedrigen Preis nicht leisten kannst: Defizit als "Marketing" zu verbuchen ist Selbstbetrug
  • Keine klare Preisumkehr möglich: wenn Kunden vom Einstiegspreis nicht erhöht werden können (z.B. Langzeitverträge)

Die klare Preisumkehr

Wenn Einführungspreis, dann mit Plan:

  • Vorab kommunizieren: "€ 490 statt regulär € 790 – Einführungs-Angebot bis 31. März"
  • Klare Übergangs-Regel: was gilt nach dem Einführungsrabatt?
  • Bestandskunden-Regelung: bekommen Einführungskunden später Treue-Rabatt oder steigen auch auf?
Formulierung entscheidend: "Einführungspreis" mit klarem End-Datum ist OK. "Kennenlernpreis" ohne Ende ist Falle.

Die Höhe des Einführungsrabatts

Faustregel:

  • Nicht mehr als 30 % Rabatt (sonst wirkt's wie Ramschware)
  • Besser: 15–25 % und dafür Bonus (z.B. Erstgespräch kostenlos)
  • Kombinieren mit klaren Gegenleistungen (Testimonial, Fallstudie, Referenz)

Alternative zum Preis-Rabatt

Oft besser als Preis-Reduktion: Mehrwert dazugeben

  • Zusätzliche Leistung kostenlos
  • Verlängerte Garantie oder Support
  • Premium-Variante zum Standard-Preis
  • Kostenloses Upgrade / Schulung

Vorteil: zukünftige Preise bleiben intakt, aber der Einführungskunde fühlt sich wertgeschätzt.

Die Einführungs-Phase managen

Struktur:

  • Klar definiertes Start- und Enddatum
  • Begrenzte Anzahl Einführungskunden (Verknappung)
  • Nach Einführung: Standard-Preis konsequent
  • Feedback aktiv einholen (siehe Feedback-Artikel)

In infinia: Einführungsrabatt als Sonderpreis

  • Aktionspreise mit Enddatum im Artikelstamm
  • Einführungskunden mit Tag markieren (z.B. "Founding Customer")
  • Umsatzstatistik Einführungsphase vs. später
  • Bestand-Konversion: wie viele Einführungskunden bleiben zum Normalpreis?

Fazit

Einführungspreise sind kein Gewohnheits-Tool, sondern ein bewusster Startschuss. Klar abgegrenzt, mit klarem Ende und klarer Preisumkehr – dann können sie funktionieren. Ohne diese Disziplin werden sie zum permanenten Preis-Anker, den man später nicht mehr loswird.

Häufige Fragen

Wie lange soll die Einführungsphase dauern?

4–12 Wochen ist typisch. Kurz genug für Dringlichkeit, lang genug für tatsächliche Kunden-Akquise.

Was, wenn nach Ende kaum Kunden zum Normalpreis kommen?

Dann stimmt der Wert nicht zum Normalpreis. Entweder Wert erhöhen oder Preis anpassen – nicht Einführungspreis verlängern.

Kann ich denselben Kunden später auf Normalpreis umstellen?

Bei Service-Abos: ja, mit ausreichender Ankündigung (siehe Preiserhöhung-Artikel). Bei Einmalkäufen: Frage stellt sich nicht.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

Weniger Aufwand, mehr Zeit für dein Geschäft.

infinia bündelt Angebote, Rechnungen, Lager und Kundenverwaltung in einer Anwendung. Made in Austria.