Ratgeber

Preiserhöhung kommunizieren – ohne Kunden zu verlieren

Thomas Thier 14. Mai 2025 5 min Lesezeit

Inflation läuft, deine Kosten steigen, aber die Preise sind gleich geblieben. Ergebnis: schleichender Margenschwund. Preiserhöhung ist notwendig – wird aber oft nicht umgesetzt, weil man Kunden verlieren könnte. Die Realität: wer professionell kommuniziert, verliert fast niemanden.

Warum Preiserhöhungen so oft aufgeschoben werden

Die typischen Blockaden im Kopf:

  • "Die Kunden werden mich verlassen." (meistens nein)
  • "Ich habe kein gutes Argument." (meistens doch)
  • "Es ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt." (ist er nie)
  • "Mehr Geld nehmen fühlt sich unangenehm an." (Ja. Aber notwendig.)

Die psychologischen Hürden sind real – aber oft größer als die tatsächlichen Konsequenzen.

Die 5 Bausteine einer guten Ankündigung

  • Rechtzeitigkeit: 1–3 Monate vor Inkrafttreten, nicht "ab morgen"
  • Schriftlich + ggf. persönlich bei A-Kunden
  • Klare Zahl: "Ab 1. Juli € 95 statt € 85 pro Stunde"
  • Ehrliche Begründung: gestiegene Kosten / Inflation / neue Qualifikationen / Investitionen
  • Wertschätzung: "Wir danken für die langjährige Zusammenarbeit..."

Beispiel-Formulierung

"Liebe Frau Müller,

nach langjähriger Preisstabilität müssen wir unsere Stundensätze zum 1. Juli 2026 anpassen. Der neue Satz beträgt € 95 (bisher € 85).

Der Grund: gestiegene Energie- und Personalkosten sowie Investitionen in neue Software, die auch Ihnen zugutekommt. Wir haben die letzten 3 Jahre auf Erhöhungen verzichtet – ein Nachholen ist jetzt unvermeidlich.

Für laufende Projekte mit festen Konditionen gilt selbstverständlich weiter der bisherige Preis bis Projektabschluss.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und die bisherige Zusammenarbeit – wir freuen uns, Sie auch weiterhin bestmöglich zu betreuen."

Wichtig: klar, ehrlich, kurz, freundlich. Kein langes Sich-Rechtfertigen, keine überflüssigen Entschuldigungen.

Wer reagiert wie

Erfahrungswerte bei sauber angekündigten 5–15%-Erhöhungen:

  • 70–80 % akzeptieren ohne Nachfrage (war längst erwartet)
  • 10–20 % reagieren mit Fragen oder wollen Details – gesprächsfähig
  • 5 % verhandeln intensiv oder drohen mit Abwanderung
  • 1–3 % gehen tatsächlich weg – meistens Preis-Jäger, kein großer Verlust

Oft ersetzen die höheren Preise der Bleibenden den Verlust der Weggehenden problemlos.

Umgang mit Kunden, die hart verhandeln

Bei Widerstand gibt es Optionen:

  • Bestätigen, nicht nachgeben: "Ich verstehe, dass das unangenehm ist. Die Erhöhung ist notwendig."
  • Leicht nachgeben: Stichtag 2 Monate verschieben, kleinere Erhöhung (7 statt 10 %)
  • Gegenvorschlag: "Wir können bei anderen Konditionen entgegenkommen (z.B. längere Vertragslaufzeit)."
  • Akzeptieren, dass er geht: nicht jeder Kunde ist haltbar zu diesen Konditionen – und das ist okay

Regelmäßig erhöhen statt selten groß

Besser als alle 5 Jahre +30 %: jährlich +3–5 %. Vorteile:

  • Kunden gewöhnen sich an kontinuierliche Inflation
  • Kleine Erhöhungen werden seltener verhandelt
  • Kein Schockmoment bei der einen großen Erhöhung
  • Du bleibst konstant bei Marktpreisen

In infinia: Preise systematisch pflegen

Praktische Umsetzung:

  • Artikelstamm zentral → Preisanpassung in einem Rutsch
  • Individuelle Kundenkonditionen dokumentiert
  • Textbausteine für Preiserhöhungs-Ankündigungen
  • Aufgabe "Preise jährlich prüfen" im Kalender

Fazit

Preiserhöhungen sind kein Zeichen von Gier, sondern Unternehmer-Hygiene. Wer sie verschleppt, bestraft nur sich selbst. Klare Kommunikation, angemessener Vorlauf und ehrliche Begründung machen den Unterschied – die Reaktionen sind fast immer positiver als erwartet.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich Preise erhöhen?

Jährlich um Inflationsausgleich (3–5 %). Alle 2–3 Jahre eine größere Anpassung (+10 %), wenn sich deine Qualität/Expertise weiterentwickelt hat.

Muss ich eine Begründung geben?

Nicht zwingend, aber sinnvoll. Ohne Begründung wirkt die Erhöhung willkürlich. Mit Begründung nachvollziehbar.

Was, wenn alle Kunden verhandeln wollen?

Dann hast du deine Kundenbasis falsch kalibriert – zu viele "Preisjäger". Mittelfristig Positionierung anpassen, Akquise auf weniger preissensitive Zielgruppen richten.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

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