Liquiditätsplanung – 12 Monate vorausschauen
Die meisten Liquiditätsprobleme sind vermeidbar – wenn man sie früh genug sieht. Wer 12 Monate vorausschaut, hat Monate Zeit, gegenzusteuern. Wer nur die nächsten 4 Wochen plant, hat oft nur noch wenige Wochen bis zum Engpass. Der strukturelle Unterschied zwischen gesunder und angespannter Finanzführung.
Was Liquiditätsplanung wirklich ist
Unterschied zu Umsatz-/Gewinn-Planung:
- Umsatz: was verrechnet wird (unabhängig von Zahlungseingang)
- Gewinn: Umsatz minus Kosten (noch ohne Zeitbezug)
- Liquidität: wann Geld wirklich aufs Konto kommt oder abfließt
Du kannst gewinnbringend arbeiten und trotzdem kein Geld haben – wenn Kunden zu spät zahlen. Deshalb ist Liquiditätsplanung eigenständig wichtig.
Die einfachste 12-Monats-Planung
Eine Tabelle (eine einfache Tabellenkalkulation reicht) mit Spalten für 12 Monate. Zeilen:
- Anfangsbestand (Konto am 1. des Monats)
- Zu erwartende Einnahmen (bestehende Aufträge + realistische Neu-Aufträge)
- Fixkosten (Miete, Versicherungen, Abos, Löhne)
- Variable Kosten (Material, abhängig von Aufträgen)
- Investitionen (geplante Anschaffungen)
- Steuern (Quartal, Umsatzsteuer, Einkommensteuer-Vorauszahlungen)
- Endbestand (= Anfangsbestand + Einnahmen - Ausgaben)
Der Endbestand eines Monats ist der Anfangsbestand des nächsten. So siehst du Monat für Monat, wohin es geht.
Die großen Blindspots
Was in 90 % der Planungen fehlt:
- Steuerzahlungen: Quartals-Vorauszahlungen, Umsatzsteuer, ESt
- Saisonalität: typische Flauten (Januar, Juli) realistisch einplanen
- Verspätete Zahlungen: 20–30 % der Kunden zahlen nicht pünktlich
- Geplante Investitionen: Laptop, Gerät, Software
- Urlaubszeiten: weniger Einnahmen, gleiche Fixkosten
- Nicht-Akquise-Perioden: wenn du 3 Wochen krank bist, keine neuen Aufträge
Die Ampel-Logik
Jeder Monatsbestand bekommt Farbe:
- Grün: über 2 Monate Fixkosten Puffer → alles gut
- Gelb: 1–2 Monate Puffer → aufpassen, Maßnahmen vorbereiten
- Rot: unter 1 Monat Puffer → Maßnahmen JETZT nötig
Wer im Februar "Rot" für den Juli sieht, hat 5 Monate Zeit zu handeln. Wer erst im Juni schaut, hat 3 Wochen.
Szenarien durchspielen
Nicht nur ein Plan, sondern drei:
- Realistischer Plan: das was du erwartest
- Pessimistisch: -20 % Einnahmen, +10 % Kosten – hält die Firma das durch?
- Optimistisch: was wäre, wenn großer Auftrag reinkommt? Kapazität da?
Der pessimistische Plan ist der wichtigste: er zeigt, ab wann es eng wird.
Maßnahmen bei drohenden Engpässen
Wenn die Planung "Rot" zeigt, mögliche Hebel:
- Offene Forderungen eintreiben (schneller mahnen, Skonto aussetzen)
- Anzahlungen vereinbaren
- Akquise verstärken
- Investitionen verschieben
- Kostenreduktion (Fixkosten-Check)
- Kreditlinie bei der Bank vereinbaren (bevor akut)
- Zahlungsziele bei Lieferanten verhandeln (länger)
Monatlich aktualisieren
Einmal pro Monat 30 Minuten:
- Ist-Zahlen des vergangenen Monats eintragen
- Plan für kommende 12 Monate aktualisieren
- Abweichungen analysieren (was war anders als geplant?)
- Maßnahmen anpassen
In infinia: Datengrundlage für die Planung
Was infinia dazu liefert:
- Offene Rechnungen (wer zahlt wann wie viel)
- Pipeline: welche Angebote laufen, wahrscheinliche Umsatzanteile
- Auftragsbestand: bekannte zukünftige Einnahmen
- Historische Daten: Vorjahres-Muster als Basis
- Export für die eigentliche Liquiditäts-Tabelle
Die Planung selbst machst du in einer eigenen Tabelle – aber mit den Daten aus infinia als Grundlage geht das wesentlich schneller und genauer.
Fazit
12-Monats-Liquiditätsplanung ist eine der wichtigsten Unternehmer-Routinen. Sie kostet einmal 2 Stunden Setup, dann 30 Minuten im Monat – und verhindert Horror-Überraschungen. Gesunde Betriebe planen. Überraschte Betriebe sind oft gescheiterte Betriebe.
Häufige Fragen
Was, wenn ich keinen verlässlichen Umsatz vorhersagen kann?
Dann arbeitest du mit Bandbreiten (Pessimistisch/Realistisch/Optimistisch). Auch unsichere Prognosen sind besser als keine.
Ist eine Tabellenkalkulation dafür wirklich ausreichend?
Für KMU ja. Spezial-Tools bringen wenig Mehrwert bei kleinen Betrieben und machen die Einführungshürde höher.
Wie gehe ich mit Steuerberater-Abstimmungen um?
Quartals-Vorauszahlungen und Jahres-ESt gemeinsam durchrechnen – der Steuerberater kann konkrete Beträge nennen.
Weniger Aufwand, mehr Zeit für dein Geschäft.
infinia bündelt Angebote, Rechnungen, Lager und Kundenverwaltung in einer Anwendung. Made in Austria.
