Finanzen

Liquiditätsplanung – 12 Monate vorausschauen

Thomas Thier 25. September 2024 6 min Lesezeit

Die meisten Liquiditätsprobleme sind vermeidbar – wenn man sie früh genug sieht. Wer 12 Monate vorausschaut, hat Monate Zeit, gegenzusteuern. Wer nur die nächsten 4 Wochen plant, hat oft nur noch wenige Wochen bis zum Engpass. Der strukturelle Unterschied zwischen gesunder und angespannter Finanzführung.

Was Liquiditätsplanung wirklich ist

Unterschied zu Umsatz-/Gewinn-Planung:

  • Umsatz: was verrechnet wird (unabhängig von Zahlungseingang)
  • Gewinn: Umsatz minus Kosten (noch ohne Zeitbezug)
  • Liquidität: wann Geld wirklich aufs Konto kommt oder abfließt

Du kannst gewinnbringend arbeiten und trotzdem kein Geld haben – wenn Kunden zu spät zahlen. Deshalb ist Liquiditätsplanung eigenständig wichtig.

Die einfachste 12-Monats-Planung

Eine Tabelle (eine einfache Tabellenkalkulation reicht) mit Spalten für 12 Monate. Zeilen:

  • Anfangsbestand (Konto am 1. des Monats)
  • Zu erwartende Einnahmen (bestehende Aufträge + realistische Neu-Aufträge)
  • Fixkosten (Miete, Versicherungen, Abos, Löhne)
  • Variable Kosten (Material, abhängig von Aufträgen)
  • Investitionen (geplante Anschaffungen)
  • Steuern (Quartal, Umsatzsteuer, Einkommensteuer-Vorauszahlungen)
  • Endbestand (= Anfangsbestand + Einnahmen - Ausgaben)

Der Endbestand eines Monats ist der Anfangsbestand des nächsten. So siehst du Monat für Monat, wohin es geht.

Die großen Blindspots

Was in 90 % der Planungen fehlt:

  • Steuerzahlungen: Quartals-Vorauszahlungen, Umsatzsteuer, ESt
  • Saisonalität: typische Flauten (Januar, Juli) realistisch einplanen
  • Verspätete Zahlungen: 20–30 % der Kunden zahlen nicht pünktlich
  • Geplante Investitionen: Laptop, Gerät, Software
  • Urlaubszeiten: weniger Einnahmen, gleiche Fixkosten
  • Nicht-Akquise-Perioden: wenn du 3 Wochen krank bist, keine neuen Aufträge

Die Ampel-Logik

Jeder Monatsbestand bekommt Farbe:

  • Grün: über 2 Monate Fixkosten Puffer → alles gut
  • Gelb: 1–2 Monate Puffer → aufpassen, Maßnahmen vorbereiten
  • Rot: unter 1 Monat Puffer → Maßnahmen JETZT nötig

Wer im Februar "Rot" für den Juli sieht, hat 5 Monate Zeit zu handeln. Wer erst im Juni schaut, hat 3 Wochen.

Faustregel: Mindestens 3 Monate Fixkosten als Liquiditäts-Puffer sind gesund. Darunter ist jedes unerwartete Ereignis ein Problem.

Szenarien durchspielen

Nicht nur ein Plan, sondern drei:

  • Realistischer Plan: das was du erwartest
  • Pessimistisch: -20 % Einnahmen, +10 % Kosten – hält die Firma das durch?
  • Optimistisch: was wäre, wenn großer Auftrag reinkommt? Kapazität da?

Der pessimistische Plan ist der wichtigste: er zeigt, ab wann es eng wird.

Maßnahmen bei drohenden Engpässen

Wenn die Planung "Rot" zeigt, mögliche Hebel:

  • Offene Forderungen eintreiben (schneller mahnen, Skonto aussetzen)
  • Anzahlungen vereinbaren
  • Akquise verstärken
  • Investitionen verschieben
  • Kostenreduktion (Fixkosten-Check)
  • Kreditlinie bei der Bank vereinbaren (bevor akut)
  • Zahlungsziele bei Lieferanten verhandeln (länger)

Monatlich aktualisieren

Einmal pro Monat 30 Minuten:

  • Ist-Zahlen des vergangenen Monats eintragen
  • Plan für kommende 12 Monate aktualisieren
  • Abweichungen analysieren (was war anders als geplant?)
  • Maßnahmen anpassen

In infinia: Datengrundlage für die Planung

Was infinia dazu liefert:

  • Offene Rechnungen (wer zahlt wann wie viel)
  • Pipeline: welche Angebote laufen, wahrscheinliche Umsatzanteile
  • Auftragsbestand: bekannte zukünftige Einnahmen
  • Historische Daten: Vorjahres-Muster als Basis
  • Export für die eigentliche Liquiditäts-Tabelle

Die Planung selbst machst du in einer eigenen Tabelle – aber mit den Daten aus infinia als Grundlage geht das wesentlich schneller und genauer.

Fazit

12-Monats-Liquiditätsplanung ist eine der wichtigsten Unternehmer-Routinen. Sie kostet einmal 2 Stunden Setup, dann 30 Minuten im Monat – und verhindert Horror-Überraschungen. Gesunde Betriebe planen. Überraschte Betriebe sind oft gescheiterte Betriebe.

Häufige Fragen

Was, wenn ich keinen verlässlichen Umsatz vorhersagen kann?

Dann arbeitest du mit Bandbreiten (Pessimistisch/Realistisch/Optimistisch). Auch unsichere Prognosen sind besser als keine.

Ist eine Tabellenkalkulation dafür wirklich ausreichend?

Für KMU ja. Spezial-Tools bringen wenig Mehrwert bei kleinen Betrieben und machen die Einführungshürde höher.

Wie gehe ich mit Steuerberater-Abstimmungen um?

Quartals-Vorauszahlungen und Jahres-ESt gemeinsam durchrechnen – der Steuerberater kann konkrete Beträge nennen.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

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