Strategie

Jahresplanung light – OKRs für Kleinbetriebe

Thomas Thier 23. Juli 2025 6 min Lesezeit

Jahresplanung ist bei vielen KMU ein vages "wir wollen mehr Umsatz und irgendwie wachsen". Das reicht nicht. OKRs (Objectives & Key Results) sind eine strukturierte Methode, die in vielen großen Tech-Konzernen etabliert ist – und funktionieren ebenso gut für Kleinbetriebe, wenn man die aufgeblasene Variante weglässt.

Was sind OKRs in Kurzform?

Jedes Jahr (oder Quartal):

Objectives: was wollen wir erreichen? (qualitativ, motivierend)

Key Results: woran merken wir, dass wir es geschafft haben? (quantitativ, messbar, 3–5 pro Objective)

Beispiel für einen Kleinbetrieb

Objective 1: Wir werden unabhängiger von einzelnen Großkunden.

Key Results:

  • Kein Kunde hat mehr als 25 % unseres Umsatzes
  • 10 neue Kunden gewonnen (bisher nur 4 pro Jahr)
  • 2 neue Branchen erschlossen

Objective 2: Prozesse laufen, auch wenn der Chef nicht da ist.

Key Results:

Die Regel: maximal 3 Objectives

Fokus ist wichtiger als Vollständigkeit. Wer 10 Objectives hat, hat keine. Mehr als 3 verliert die Aufmerksamkeit.

Sage bewusst "nein" zu Zielen, die diese 3 nicht sind. Das ist der schwerste Teil.

OKR-Faustregel: Ein Objective sollte dich leicht unbequem machen – nicht unerreichbar, aber nicht selbstverständlich erreicht.

Key Results: messbar und konkret

Schlecht: "Mehr Kunden gewinnen"

Gut: "10 Neukunden bis 31.12.2026, davon mindestens 3 mit Jahresumsatz > € 20.000"

Schlecht: "Kundenzufriedenheit steigern"

Gut: "Net Promoter Score von 40 auf 60 in der Jahresumfrage"

Quartalsweise überprüfen

Jedes Quartal 1 Stunde:

  • Wo stehen wir pro Key Result (0–100 %)?
  • Was läuft gut? Was blockiert?
  • Müssen wir Ressourcen umschichten?
  • Falls Objective unrealistisch wird: ehrlich benennen, nicht verschweigen

OKRs, die nicht quartalsweise überprüft werden, werden im Oktober wieder herausgeholt und entsetzt weggelegt.

Team einbinden – oder nicht

Bei Solo-Selbstständigen oder 2–3 Personen: Chef-Entscheidung, kurzes Gespräch.

Ab 5+ Personen: Mitarbeiter einbinden. Jede/r sollte wissen, wie die eigene Arbeit zu den Objectives beiträgt. Das steigert Motivation und Verständnis.

In infinia: Datengrundlage für OKRs

Um Fortschritt zu messen, brauchst du Zahlen. Infinia liefert:

  • Umsatz pro Kunde (für Abhängigkeits-Check)
  • Neue Kunden pro Monat
  • Auftragsbestand, Pipeline-Stände
  • Deckungsbeitrag, Margen-Entwicklung

Das meiste für typische Unternehmens-OKRs liegt bereits im System, wenn es sauber geführt wird.

Fazit

OKRs sind keine Geheimwissenschaft. Im Kern: klare Ziele + messbare Ergebnisse + regelmäßige Überprüfung. Diese Disziplin hebt dein Unternehmen aus der Lethargie "dieses Jahr wollen wir halt wachsen" heraus – und macht Erfolg sichtbar und steuerbar.

Häufige Fragen

Wie unterscheiden sich OKRs von normalen Jahreszielen?

Zwei Unterschiede: (1) Objectives sind motivierend formuliert, nicht nur Zahlen. (2) Key Results machen Fortschritt messbar – "ja/nein" ist nicht genug.

Muss ich alle Key Results erreichen?

Nein. Faustregel: 70–80 % Erreichung ist sehr gut. Wer alle 100 % erreicht, hat wahrscheinlich zu niedrig geplant.

Wie oft OKRs ändern?

Jährlich neu (oder quartalsweise, je nach Dynamik). Zwischendurch anpassen nur bei wirklich fundamentalen Veränderungen (neue Marktsituation, Krise, unerwartete Großchance).

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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