Vergleich

Jahresabschluss selbst machen vs. Steuerberater – was rechnet sich?

Thomas Thier 06. November 2024 5 min Lesezeit

Der Reflex vieler Solo-Selbstständiger: "Ich spare Geld, wenn ich das selbst mache." Stimmt – auf dem Papier. In der Praxis übersehen viele die realen Kosten der eigenen Zeit, das Fehlerrisiko und die verpassten Optimierungen. Ein nüchterner Blick.

Was der Steuerberater wirklich kostet

Realistische Kosten für Kleinbetriebe in Österreich:

  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR): € 600–1.500 jährlich
  • Bilanzierung (größere Betriebe): € 1.500–5.000
  • Laufende Buchhaltung: € 100–400 monatlich
  • Einkommensteuererklärung: € 200–500
  • Gewerbe- oder KöSt-Erklärung: € 300–800

Für einen Solo-Selbstständigen mit EAR: meist € 800–1.500 gesamt pro Jahr. Klingt viel, aber rechnen wir dagegen.

Was selbst machen wirklich kostet

Der Zeitaufwand ist der unsichtbare Kostenfaktor:

  • Laufende Buchhaltung: 2–5 Stunden pro Monat
  • Jahresabschluss-Erstellung: 15–40 Stunden einmalig
  • Einkommensteuer-Erklärung: 5–15 Stunden
  • Recherche zu Steuer-Fragen: 5–20 Stunden
  • Gesamt: 60–150 Stunden pro Jahr

Bei einem Unternehmer-Stundensatz von € 60: € 3.600–9.000 Opportunitätskosten.

Die Rechnung ist oft klar: 100 Stunden × € 60 Stundensatz = € 6.000 "gespart" beim Steuerberater – aber eben nicht in andere Aufträge investiert. Wer so rechnet, sieht meist: Steuerberater rechnet sich.

Was der Steuerberater zusätzlich bringt

Nicht nur Erledigung, sondern auch Optimierung:

  • Absetzbarkeit: Dinge als Betriebsausgabe erkennen, die du nicht kennen würdest
  • Abschreibungsoptionen: degressiv, sofort, KMU-Pauschalierung
  • Pensionsvorsorge-Modelle: Prämien und Optimierung
  • Risikoprüfung: Fehler vermeiden, die Strafen oder Nachzahlungen auslösen
  • Beratung bei Entscheidungen: Investitionen, Rechtsform, Mitarbeiter

Ein guter Steuerberater spart oft mehr Steuern als er kostet. Allein daher lohnt er sich für viele.

Wann selbst machen wirklich passt

  • Kleinunternehmer mit wenigen Belegen (< 10 im Monat)
  • Affinität zu Zahlen / Steuerrecht
  • Zeit ist nicht knapp (z.B. Nebenerwerb)
  • Einfache Situation (keine komplizierten Fragen)

Für alle anderen: Steuerberater ist meist die klügere Entscheidung.

Die Mittellösung: Aufgaben aufteilen

Nicht alles-oder-nichts. Möglich:

  • Du führst Belege und Ausgangs-Rechnungen selbst strukturiert
  • Steuerberater macht Jahresabschluss und Steuererklärung
  • Steuerberater berät bei Grundsatzfragen
  • Honorar entsprechend reduziert durch deine Vorarbeit

Oft die entspannteste Lösung: niedrige Kosten, hohe Qualität.

Was gute Software dazu beiträgt

Egal ob selbst oder mit Steuerberater: strukturierte Daten sind Gold:

  • Belege digital archiviert
  • Kategorisierung konsistent
  • Jahresauswertung auf Knopfdruck
  • Steuerberater-Export in einem Zip

Wer mit gutem System arbeitet, reduziert Steuerberater-Aufwand um 20–40 % – oder macht's selbst in der Hälfte der Zeit.

In infinia: die Datengrundlage

  • Alle Rechnungen sauber nummeriert und archiviert
  • Kategorien pro Artikel / Position
  • Eingangs-Dokumente im Archiv
  • Jahres-Exporte als ZIP mit PDFs + CSV
  • Auswertungen (Umsatz, Gewinn, Top-Kategorien)

Das reduziert deinen Aufwand – oder das Steuerberater-Honorar – beträchtlich.

Fazit

Die Frage "selbst oder Steuerberater" ist eine Rechenaufgabe – und die ehrliche Antwort ist oft: Steuerberater. Wer die Stunden, die er selbst investiert, ehrlich bewertet, kommt meist zum Schluss: die € 1.000–2.000 pro Jahr für einen Profi sind gut investiert. Bonus: ruhige Nächte vor dem Finanzamt.

Häufige Fragen

Was ist mit Steuer-Software, die alles automatisch macht?

Hilfreich, aber kein voller Ersatz. Software kann rechnen, aber nicht optimieren und nicht beraten. Für einfachste Fälle OK, für mittlere Betriebe zu wenig.

Wie finde ich einen guten Steuerberater?

Empfehlung aus dem Netzwerk, nicht erstes Google-Ergebnis. Kennenlerngespräch: prüft er Strategie oder nur Belege? Preis und Leistung fair?

Was, wenn mein Steuerberater nie proaktiv ist?

Dann wechseln. Ein passiver Steuerberater kostet dich mehr als ein guter – und du merkst es nicht direkt, sondern in verpassten Optimierungen.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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