How-To

Inventur in 5 Schritten – ohne Kopfzerbrechen

Thomas Thier 11. März 2026 6 min Lesezeit

Inventur ist gesetzlich vorgeschrieben und lästig. Aber sie ist auch eine riesige Chance: Du siehst, was du wirklich im Lager hast, was du vielleicht abschreiben musst und wo Chaos herrscht. Mit dem richtigen Ablauf und mobilen Werkzeugen schaffst du die Inventur eines typischen KMU-Lagers an einem Nachmittag. So geht's.

Schritt 1: Vorbereitung – Lager aufräumen

Eine Woche vor der Inventur solltest du das Lager "aufräumen":

  • Alle Regale ordnen, nichts im Durchgang
  • Artikel gleicher Sorte zusammenlegen
  • Kaputte/verdorbene Ware aussortieren (wird separat erfasst)
  • Etiketten prüfen → fehlende QR-Codes neu drucken
  • Wareneingänge/Ausgänge bis zum Stichtag sauber buchen
Ohne diese Vorbereitung zählst du stundenlang Chaos – und der Zähler macht Fehler.

Schritt 2: Stichtag und Team festlegen

Wähle einen Tag, an dem kein Wareneingang/-ausgang stattfindet – meist Samstag oder nach Geschäftsschluss.

Teile das Lager in Zonen auf. Je zwei Personen pro Zone: - Zähler → zählt, ansagt

  • Zähler: zählt, ansagt, nicht kontrolliert
  • Schreiber: erfasst digital, prüft Plausibilität

Das 4-Augen-Prinzip

Nie eine Person alleine zählen lassen. Fehlerquote sinkt dramatisch, wenn zwei Personen zusammenarbeiten: einer zählt, einer schreibt.

Schritt 3: Die eigentliche Zählung – mit dem Handy

Wer noch mit Papierlisten arbeitet, verliert doppelt: Tippfehler beim Übertragen + keine Live-Kontrolle.

Mit einer Inventur-App (wie in infinia) läuft es so:

  • QR-Code am Artikel scannen
  • Menge eingeben (oder Tasten für ±1, ±10)
  • Nächster Artikel
  • System zeigt Soll-Bestand zur Plausibilitätskontrolle
  • Differenzen sofort sichtbar → kannst du gleich nachzählen
Mehrere Teams können parallel inventieren – jedes Gerät erfasst in die gleiche Datenbank. Am Ende ist alles zentral.

Schritt 4: Differenzen klären – nicht ignorieren

Es wird Abweichungen geben. Typische Ursachen:

  • Ware wurde verkauft, aber nicht gebucht → im System fehlt die Entnahme
  • Wareneingang wurde doppelt gebucht
  • Diebstahl oder Schwund
  • Zählfehler (deswegen 4-Augen-Prinzip)
  • Bruch / Verderb, der nicht abgeschrieben wurde

Große Differenzen nachzählen. Bleibt die Differenz: dokumentieren, Ursache vermuten, buchen.

Schritt 5: Dokumentation und Abschluss

Am Ende musst du haben:

  • Inventurliste mit allen Artikeln, Mengen und Abweichungen
  • Unterschrift der Zähler-Teams (wichtig bei Betriebsprüfung!)
  • Abschreibungsbuchungen für Verlust / Schwund
  • Korrektur-Buchungen im Warenwirtschaftssystem
  • Lagerwert zum Stichtag

Der Lagerwert ist wichtig für Bilanz/Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Er beeinflusst deinen Gewinn.

Bonus: Permanente Inventur

Wer keine Stichtagsinventur will, kann auch permanent inventieren: Das ganze Jahr über werden stichprobenartig einzelne Artikel gezählt und abgeglichen.

Voraussetzungen in Österreich:

  • Jeder Artikel mindestens einmal im Jahr gezählt
  • Lückenloses Lagerbuch
  • Dokumentation jeder Zählung
  • In der Regel nicht geeignet für verderbliche Ware

Für die meisten KMU ist die einmalige jährliche Inventur einfacher – aber gerade bei großen Lagern lohnt sich der permanente Ansatz.

Fazit

Inventur ist Pflicht, aber kein Drama. Mit guter Vorbereitung, mobiler Erfassung und dem 4-Augen-Prinzip machst du die Inventur eines normalen KMU-Lagers an einem Halbtag. Wichtig ist nicht nur die Zählung selbst, sondern was du aus den Ergebnissen lernst: Welche Artikel drehen nicht? Wo gibt es Schwund? Wo stimmen die Buchungen nicht?

Häufige Fragen

Wann muss ich inventieren?

In Österreich einmal pro Geschäftsjahr, meist zum Bilanzstichtag (31.12. oder dein individuelles Wirtschaftsjahr-Ende).

Muss ich auch Waren im Transit zählen?

Ja, Ware, die unterwegs aber bereits dir zuzurechnen ist (nach "Übergang des wirtschaftlichen Risikos"), muss auch inventiert werden.

Was passiert bei falscher Inventur?

Bei Betriebsprüfung: Steuerschätzung möglich, wenn die Inventur nicht nachvollziehbar ist. Falsche Inventur = falscher Gewinn = Nachzahlungen und ggf. Strafen.

Lohnt sich spezielle Inventur-Hardware?

Für die meisten KMU reicht ein normales Smartphone mit Scan-App. Spezielle MDE-Geräte (mobile Datenerfassung) lohnen sich erst bei sehr großen Lagern oder rauem Umfeld.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

Weniger Aufwand, mehr Zeit für dein Geschäft.

infinia bündelt Angebote, Rechnungen, Lager und Kundenverwaltung in einer Anwendung. Made in Austria.