How-To

ABC-Analyse einfach erklärt – So findest du deine Top-Produkte

Thomas Thier 25. März 2026 5 min Lesezeit

Die ABC-Analyse ist einer der einfachsten und wirkungsvollsten Wege, dein Unternehmen besser zu verstehen. Sie zeigt dir in Minuten: Welche Produkte und Kunden bringen 80 % deines Umsatzes? Und welche kosten dich vielleicht mehr Zeit als sie wert sind? So geht's.

Das Pareto-Prinzip (80/20)

Vilfredo Pareto hat vor 150 Jahren beobachtet, dass 80 % des Reichtums auf 20 % der Bevölkerung entfielen. Die Idee lässt sich auf erstaunlich viele Bereiche übertragen: 80 % deines Umsatzes entstehen meist mit 20 % deiner Produkte oder Kunden.

Das ist kein Naturgesetz, aber eine sehr zuverlässige Faustregel. Und genau daran setzt die ABC-Analyse an.

Die drei Kategorien

Die ABC-Analyse teilt dein Sortiment in drei Gruppen nach Umsatz- oder Deckungsbeitrag:

  • A-Artikel: Die Top-Produkte, die 70–80 % deines Umsatzes ausmachen. Typischerweise nur 10–20 % der Artikel.
  • B-Artikel: Die Mittelklasse. 15–25 % des Umsatzes, 20–30 % der Artikel.
  • C-Artikel: Der Long Tail. Viele Artikel, kleiner Umsatz. 50–70 % der Artikel, aber nur 5–15 % des Umsatzes.

So führst du eine ABC-Analyse durch

Der Ablauf Schritt für Schritt:

  • 1. Zeitraum wählen – meist 12 Monate (oder 6 Monate, je nach Saison)
  • 2. Umsatz pro Artikel extrahieren – aus deiner Rechnungssoftware
  • 3. Artikel nach Umsatz absteigend sortieren
  • 4. Kumulierten Umsatz berechnen – "Artikel 1: 15 %, Artikel 1+2: 28 %, Artikel 1+2+3: 39 %..."
  • 5. Grenzen setzen – bei 80 % kumuliert ziehst du die Grenze zwischen A und B, bei 95 % zwischen B und C
Wer keine Software mit fertiger ABC-Analyse hat, kann das problemlos in einer Tabellenkalkulation machen. Ab dem dritten Mal nervt es aber – dann lohnt sich Automatisierung.

Was machst du mit dem Ergebnis?

Die wirklich wertvolle Frage ist nicht "Was sind meine A-Artikel", sondern: Was ändere ich in meinem Unternehmen aufgrund dieses Wissens?

A-Artikel: Schützen und ausbauen

Diese Artikel sind deine Cash-Cow. Sorge dafür, dass:

  • Sie immer auf Lager sind (Ausverkauf = direkter Umsatzverlust)
  • Du die Lieferanten-Beziehungen pflegst
  • Du sie prominent in Marketing & Angeboten platzierst
  • Du Marge hier besonders im Auge behältst

B-Artikel: Potenzial erkennen

Diese Gruppe ist interessant, weil hier oft aufstrebende Produkte sind. Prüfe:

  • Welche B-Artikel wachsen stark → könnten bald A werden
  • Welche stagnieren → Marketing-Impuls nötig?
  • Welche könnten A-Artikel kannibalisieren

C-Artikel: Gnadenlos aufräumen

Der Long Tail verursacht oft mehr Aufwand als er einbringt: Lagerkosten, Buchhaltung, Lieferantenverwaltung.

Überlege pro C-Artikel: Strategisch wichtig? Ergänzungsprodukt? Nein? Streichen.

Eine Sortimentsbereinigung, die 40 % der C-Artikel entfernt, wird deinen Umsatz typischerweise um weniger als 2 % reduzieren – aber deine Lagerkosten, Buchhaltungsaufwand und Komplexität deutlich senken.

Das gleiche für Kunden

Die ABC-Analyse funktioniert nicht nur für Produkte, sondern auch für Kunden:

  • A-Kunden: Deine Top-Kunden. Investiere in die Beziehung.
  • B-Kunden: Ausbauen oder effizienter betreuen.
  • C-Kunden: Oft die aufwändigsten. Rechnet sich die Betreuung überhaupt?

Fazit

Die ABC-Analyse ist keine akademische Übung – sie ist ein Werkzeug, um bewusste Entscheidungen zu treffen. Viele kleine Unternehmen ersparen sich durch konsequente Sortimentsbereinigung Monate an unnötiger Arbeit. Mach die Analyse einmal pro Jahr. Es lohnt sich jedes Mal.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich die ABC-Analyse machen?

Mindestens jährlich, bei schnellen Märkten auch halbjährlich. Trends erkennst du nur, wenn du regelmäßig vergleichst.

Soll ich nach Umsatz oder Deckungsbeitrag analysieren?

Idealerweise beides. Ein Artikel kann hohen Umsatz, aber niedrige Marge haben – und ist dann weniger wertvoll als ein B-Artikel mit Top-Marge.

Macht die ABC-Analyse auch für Dienstleister Sinn?

Absolut. Statt Artikel analysierst du Leistungsarten oder Projekte. Welche Service-Arten bringen dir 80 % deines Umsatzes?

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

Weniger Aufwand, mehr Zeit für dein Geschäft.

infinia bündelt Angebote, Rechnungen, Lager und Kundenverwaltung in einer Anwendung. Made in Austria.