Finanzen

Forderungsausfall vorbeugen – die Signale früh erkennen

Thomas Thier 21. August 2024 5 min Lesezeit

Forderungsausfälle sind eines der schmerzhaftesten Erlebnisse für KMU. Arbeit gemacht, Rechnung gestellt, kein Geld bekommen. Meist war das Problem vorher schon erkennbar – man musste nur hinschauen. Hier die Warnsignale und was man tun kann.

Die häufigsten Warnsignale

Was vor einem Ausfall passiert:

  • Verspätete Zahlung vorheriger Rechnungen
  • Stillere Kommunikation, weniger Rückmeldungen
  • Bitte um Zahlungsaufschub oder Raten
  • Änderung der Ansprechpartner ("Ich bin nicht mehr zuständig")
  • Unerwartete Kritik / Reklamation bei bereits abgeschlossenen Projekten
  • Online-Hinweise: geschlossene Filialen, Presseberichte, Branchenrumoren

Meistens passieren zwei oder drei davon parallel. Einzelne Signale sind nicht dramatisch, kombinierte sind ein Muster.

Frühwarn-Indikatoren systematisch tracken

Bei jedem Kunden im Auge behalten:

  • Zahlungsverhalten: durchschnittliche Tage nach Fälligkeit
  • Auftragshäufigkeit: deutlich weniger als üblich?
  • Kommunikationsqualität: Rückmeldungen wie früher?
  • Öffentlich: Insolvenzverfahren, Presseberichte, Bewertungen
Faustregel: Wenn ein Kunde mehr als 45 Tage verspätet zahlt, steigt das Ausfallrisiko signifikant. Ab 90 Tagen liegt die Einbringungsquote branchenabhängig bei nur 50–70 %.

Bonitätsprüfung bei Neukunden

Bei größeren Aufträgen oder Neukunden:

  • Firmenbuch-Abfrage (in Österreich: wko.at oder Firmenbuchauszug)
  • Spezialisierte Bonitätsauskunfteien (kostenpflichtig, aber seriös)
  • Google-Suche: Insolvenzen, negative Berichte
  • Branchen-Netzwerk: hat jemand schon Erfahrung?

Für Aufträge ab z.B. € 5.000–10.000 lohnt sich oft eine kostenpflichtige Bonitätsprüfung (€ 20–50 pro Abfrage).

Risikominderung bei neuen Kunden

Wenn Bonität unklar ist:

  • Anzahlung (20–50 % bei Auftragsannahme)
  • Teil-Rechnungen bei größeren Projekten
  • Kürzere Zahlungsziele (7 Tage statt 30)
  • Vorkasse bei sehr hohem Risiko
  • Wareneigentumsvorbehalt bei Produktverkäufen

Aktive Maßnahmen bei ersten Signalen

Wenn ein Stammkunde Signale zeigt:

  • Direktes Gespräch (nicht nur Mail): was ist los?
  • Frühere Mahnung: statt 30 Tage warten, nach 14 Tagen fragen
  • Abgabenplan statt Vollzahlung (besser Raten als nichts)
  • Neue Aufträge kritisch prüfen: nicht weitere Schulden aufhäufen

Wenn es doch passiert

Wenn ein Kunde wirklich zahlungsunfähig wird:

  • Forderung zeitnah zum Inkasso oder Anwalt geben (Verjährung beachten)
  • Bei Insolvenzverfahren: Forderung beim Masseverwalter anmelden
  • Rückwärts: Lessons Learned für nächste Kundenbeziehungen
  • Steuerlich: Forderungsabschreibung dokumentieren (mit Steuerberater)

In infinia: Frühwarnsignale sichtbar

  • Alterungsliste offener Forderungen nach Kunde aufgeschlüsselt
  • Zahlungsverhalten pro Kunde einsehbar (Historie)
  • Auftragshäufigkeit pro Kunde als Tendenz erkennbar
  • Tags / Notizen: "Achtung Zahlungsverhalten" für Flagging

Das System liefert die Daten – das Erkennen der Muster bleibt beim Menschen.

Fazit

Forderungsausfälle sind oft hausgemacht durch Wegschauen. Wer Zahlungsverhalten aktiv beobachtet, bei Warnsignalen früh reagiert und bei Neukunden bonitätsseitig vorsichtig ist, reduziert sein Ausfallrisiko erheblich. 100 %-sicher ist es nie – aber oft vermeidbar.

Häufige Fragen

Ab welcher Rechnungssumme lohnt sich Bonitätsprüfung?

Orientierung: wenn Ausfall dich ernsthaft treffen würde, lohnt die Prüfung. Ab € 5.000 für kleine Betriebe ist üblich.

Wie lange bleibt eine Forderung einbringbar?

Verjährungsfrist in Österreich meist 3 Jahre. Bei gerichtlichem Titel (Exekutionstitel): 30 Jahre. Aber: je länger die Forderung alt, desto schwerer einzubringen.

Lohnt sich eine Warenkreditversicherung?

Bei großem Forderungsvolumen (> € 200.000 jährlich) oft ja. Für kleine KMU meist nicht wirtschaftlich.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

Mehr über die Philosophie hinter infinia →

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