Analyse

Break-even berechnen – ab welcher Auslastung dein Betrieb läuft

Thomas Thier 12. November 2025 6 min Lesezeit

Viele Selbstständige und KMU kennen ihren Umsatz, aber nicht ihren Break-even. Dabei ist das die Zahl, die wirklich zählt: ab wann deckt das Geschäft seine Kosten – und ab wann verdienst du? Wer seinen Break-even kennt, trifft bessere Entscheidungen bei Preisen, Kapazitäten und Investitionen.

Was ist der Break-even-Punkt?

Der Break-even (deutsch: Gewinnschwelle) ist der Umsatz, ab dem dein Unternehmen weder Gewinn noch Verlust macht. Davor bist du im Minus, darüber im Plus.

Die Formel:

Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrags-Quote

Klingt abstrakt, ist in der Anwendung einfach.

Schritt 1: Fixkosten bestimmen

Alle Kosten, die du auch hast, wenn du null verkaufst:

  • Miete, Nebenkosten
  • Fixe Gehälter (auch dein eigenes, falls du dir eins zahlst)
  • Software-Abos, Versicherungen
  • Leasing, Kreditraten
  • Steuerberater, Marketing-Grundbetrag
  • Geräte-Abschreibung

Beispiel Selbstständiger: € 3.000 / Monat Fixkosten (inkl. kalkulatorischem Unternehmer-Lohn).

Schritt 2: Deckungsbeitrags-Quote errechnen

Was bleibt dir von jedem Euro Umsatz, bevor du die Fixkosten bezahlst?

Beispiel Handel: Verkaufspreis € 100, Einkauf € 60 → DB pro Artikel € 40 → DB-Quote = 40 %.

Beispiel Dienstleister: Stundensatz € 80, direkte Kosten pro Stunde (Material, Fahrt) € 10 → DB € 70/h → DB-Quote = 87,5 %.

Schritt 3: Break-even errechnen

Formel in Aktion:

Händler-Beispiel: Fixkosten € 3.000, DB-Quote 40 % → Break-even-Umsatz = € 3.000 / 0,40 = € 7.500 / Monat

Dienstleister-Beispiel: Fixkosten € 3.000, DB-Quote 87,5 % → Break-even-Umsatz = € 3.000 / 0,875 = € 3.430 / Monat

Erst ab diesem Umsatz verdienst du wirklich. Alles darunter: du zahlst drauf.

Die Zahl ändert die Perspektive: Aus einem vagen "wir brauchen mehr Umsatz" wird ein konkretes Ziel. Und die Distanz zum Ziel ist messbar.

Break-even in Stunden denken

Für Dienstleister oft noch greifbarer: wie viele verrechenbare Stunden brauche ich pro Monat?

Beispiel: Fixkosten € 3.000, Stundensatz € 80, DB pro Stunde € 70 → Break-even-Stunden = € 3.000 / € 70 = 43 Stunden / Monat

Das sind ca. 10 Stunden pro Woche. Alles darüber ist Gewinn.

Diese Zahl macht Entscheidungen einfacher: Kann ich 10 h/Woche verrechnen? Ja → okay. Komme ich nur auf 6 → Problem erkannt.

Was der Break-even dich lehrt

Drei praktische Effekte:

  • Realistische Planung: Du weißt, was du mindestens brauchst – nicht schätzen
  • Preis-Sensitivität: Du siehst, wie jeder Rabatt deinen Break-even nach oben treibt
  • Risiko-Bewertung: Neue Fixkosten (Mitarbeiter, Miete) verschieben den Break-even nach oben – erst rechnen, dann entscheiden

So nutzt du's in infinia

Infinia liefert dir den Dateninput, nicht die fertige Break-even-Rechnung selbst. Konkret:

  • Umsatz-Auswertung pro Monat – siehst du auf Knopfdruck
  • Deckungsbeitrag pro Artikel/Kunde – wenn Einkaufspreise gepflegt sind
  • Geleistete Stunden pro Zeitraum aus der Zeiterfassung

Die Fixkosten-Liste führst du separat (z.B. in einer simplen Tabelle). Break-even neu rechnen: einmal im Quartal oder bei größeren Veränderungen.

Fazit

Der Break-even ist keine BWL-Akrobatik, sondern einfachste Unternehmens-Mathematik. Wer ihn kennt, hat einen Kompass: jeder Auftrag, jede Preisanpassung, jeder neue Kostenblock wird bewertbar. Rechne ihn einmal aus und aktualisiere ihn quartalsweise – das reicht, um wesentlich bewusster zu steuern.

Häufige Fragen

Muss ich den kalkulatorischen Unternehmer-Lohn in die Fixkosten rechnen?

Unbedingt. Sonst arbeitest du in deiner Rechnung umsonst und täuschst dir Gewinne vor, die in Wirklichkeit dein Lohn sein müssten.

Wie oft Break-even neu rechnen?

Quartalsweise reicht. Bei großen Veränderungen (neue Miete, Mitarbeiter-Einstellung, Tarif-Wechsel) direkt neu.

Was, wenn mein aktueller Umsatz deutlich unter dem Break-even liegt?

Zwei Hebel: Umsatz rauf (Akquise, Preise) oder Fixkosten runter. Meistens beides parallel. Das Problem zu kennen ist die halbe Lösung.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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