Finanzen

Anzahlung vs. Vorkasse – welches Modell passt wann?

Thomas Thier 14. August 2024 4 min Lesezeit

Wer große Aufträge oder Neukunden betreut, sollte sich absichern. Die zwei häufigsten Modelle: Anzahlung (ein Teil vorab) oder Vorkasse (alles vorab). Jedes hat seine Berechtigung – die richtige Wahl hängt vom Kontext ab.

Die Unterschiede

  • Vorkasse: 100 % des Preises vor Leistungsbeginn
  • Anzahlung: 20–50 % vor Beginn, Rest nach Fertigstellung oder in Raten
  • Teilrechnungen: mehrere Zahlungstranchen während des Projekts

Wann Vorkasse sinnvoll ist

  • Bei Produkten mit sofortiger Lieferung (E-Commerce, Standard-Produkte)
  • Bei Kleinaufträgen (unter € 1.000), wo der Aufwand getrennter Rechnungen zu hoch ist
  • Bei Online-Kursen / Workshops / digitalen Produkten
  • Bei Erstaufträgen mit unklarer Bonität und unklarem Risiko

Vorkasse ist die stärkste Absicherung – aber viele B2B-Kunden akzeptieren sie nicht.

Wann Anzahlung besser passt

  • Bei individuellen Projekten (Bau, Handwerk, Beratung)
  • Wenn Material eingekauft werden muss (vor Lieferbeginn)
  • Bei längeren Projekten (Vorschuss für Startkosten)
  • Bei Neukunden mit mittlerem Risiko

Anzahlung ist der Standard im handwerklichen und projektbasierten B2B-Bereich.

Faustregel: Bei Aufträgen ab € 2.500 für Neukunden ist Anzahlung branchenüblich und akzeptiert.

Die Höhe der Anzahlung

Orientierung:

  • 20–30 % bei Standard-Aufträgen mit bekannter Kundschaft
  • 40–50 % bei Material-intensiven Projekten (Handwerk, Bau)
  • 50 % bei Neukunden mit unsicherer Bonität
  • Nicht über 50 %, sonst beginnt Kunden-Widerstand

Teilrechnungen bei großen Projekten

Für Aufträge über mehrere Monate:

  • 30 % bei Auftragserteilung
  • 40 % bei Projektmitte (Meilenstein definiert)
  • 30 % bei Fertigstellung

So ist weder du noch der Kunde am Ende überfordert. Und bei Problemen ist nicht die ganze Summe im Feuer.

Wie du Anzahlungen kommunizierst

Nicht schüchtern sein – sachlich direkt:

  • "Standardmäßig berechnen wir bei Projekten dieser Größenordnung eine Anzahlung von X %."
  • "Die Anzahlung wird bei Auftragserteilung fällig."
  • "Der Restbetrag wird nach Fertigstellung in Rechnung gestellt."

Wenn das klar im Angebot steht, wird's akzeptiert. Wer erst nachträglich Anzahlung verlangt, erntet Widerstand.

Rechtliche Aspekte

  • Anzahlung muss als solche gekennzeichnet sein (Anzahlungsrechnung)
  • Umsatzsteuer bei Anzahlung: zum Zeitpunkt der Zahlung fällig
  • Endabrechnung: Gesamtbetrag minus Anzahlung

Details mit Steuerberater klären – gerade bei erstem Einsatz.

In infinia: Anzahlungen und Teilrechnungen

Was infinia unterstützt:

  • Anzahlungsrechnungen erstellen
  • Teilrechnungen für größere Projekte
  • Endabrechnung mit Verweis auf geleistete Anzahlungen
  • Kundenhistorie: welche Anzahlungen sind bezahlt, welche offen

Fazit

Anzahlungen und Vorkasse sind keine Misstrauens-Erklärung an den Kunden, sondern normaler Geschäftsstandard – besonders bei Projekten. Wer sie selbstbewusst und konsequent anwendet, hat bessere Liquidität und weniger Ausfallrisiko. Und die meisten Kunden akzeptieren es ohne Diskussion.

Häufige Fragen

Was, wenn Kunde Anzahlung kategorisch ablehnt?

Bei Standardkunden: flexibel sein. Bei Neukunden / Großaufträgen: auf Anzahlung bestehen. Wer keine Anzahlung zahlen will, ist oft nicht zahlungsfähig.

Lohnen sich Anzahlungen auch bei Bestandskunden?

Bei bekannten zuverlässigen Stammkunden meist nicht nötig. Bei großen Einzelaufträgen (auch bei Stammkunden) sinnvoll.

Wie gehe ich mit Anzahlungs-Rückzahlungen um, wenn Projekt abgebrochen wird?

Im Vertrag regeln: Stornogebühr, geleistete Arbeit bleibt berechnet, Rest wird zurückerstattet.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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