Strategie

Upselling ohne Verkaufsdruck – mehr anbieten, ohne nervig zu sein

Thomas Thier 18. Juni 2025 5 min Lesezeit

Die meisten KMU verkaufen an einem Bestandskunden einmal – dann ist Schluss. Dabei hat der Kunde bereits Vertrauen aufgebaut und weiß, wie ihr arbeitet. Ein Upsell ist hier 5x wahrscheinlicher als bei einem Neukunden. Die Frage ist nur: wie macht man das, ohne zum nervigen Verkäufer zu werden?

Der Unterschied: Bedarf vs. Druck

Schlechtes Upselling: "Könnte ich Ihnen noch XY zusätzlich verkaufen?"

Gutes Upselling: "Basierend auf dem, was Sie erzählt haben, könnten wir Ihnen auch bei XY helfen – wenn das für Sie relevant ist."

Der Unterschied: echtes Interesse am Kunden-Bedarf, nicht am eigenen Umsatz. Der Kunde spürt den Unterschied sofort.

Die 4 Arten von Upselling

  • Größere Variante: Kunde kauft Basis, ist glücklich, Premium wäre besser passend
  • Zusatzleistung: Kunde kauft Produkt A, B gehört naheliegend dazu
  • Langfristiger Service: Einmaliger Verkauf → Wartungsvertrag oder Abo
  • Ausweitung der Beziehung: Kunde nutzt uns nur für X, könnte auch Y mit uns machen

Timing ist alles

Die richtigen Momente für Upselling:

  • Direkt nach erfolgreicher Leistung (Kunde ist zufrieden, vertrauensvoll)
  • Bei Folge-Angebot (natürlicher Anlass)
  • Nach längerer Beziehung (jährliches Update-Gespräch)
  • Bei echten Bedarfs-Änderungen (Kunde wächst, neue Herausforderungen)

Falsche Zeiten: wenn der Kunde gerade ein Problem hat, bei der ersten Begegnung, zwischen Angebot und Auftrag.

Regel: Upselling nie in einem Verkaufsgespräch zwingen. Upselling passiert in der Beziehung, nicht in der Transaktion.

Die Fragen-Technik

Statt selbst vorzuschlagen: Fragen stellen. Beispiele:

  • "Wie laufen die Dinge seit unserer Zusammenarbeit?"
  • "Was sind aktuell Ihre größten Herausforderungen?"
  • "Gibt es Bereiche, wo Sie sich mehr Unterstützung wünschen?"
  • "Was wäre in einem Jahr ein großer Erfolg für Sie?"

Aus diesen Gesprächen ergeben sich Upsell-Möglichkeiten natürlich – und der Kunde hat das Gefühl, verstanden zu werden.

Nein akzeptieren

Wenn der Kunde aktuell kein zusätzliches Bedürfnis hat: akzeptieren, nicht nachlegen.

"Kein Problem, kommen Sie gerne auf uns zu, wenn sich das ändert." – das signalisiert Vertrauen, kein Verkaufsdruck. Der Kunde wird später vielleicht genau deshalb erweitern.

In infinia: Bedarfs-Erkennung durch Daten

Upsell-Gelegenheiten werden oft verpasst, weil niemand merkt, dass der Bedarf da ist. infinia hilft:

  • Kunden-Historie: was hat er/sie gekauft, was fehlt?
  • ABC-Analyse: A-Kunden mit Upselling-Potenzial identifizieren
  • Notizen zu Kundengesprächen: Hinweise auf weiteren Bedarf festhalten
  • Aufgaben für Follow-ups: "Upsell-Gespräch mit Kunde X im Q2 einplanen"

Fazit

Gutes Upselling ist kein Verkaufsdruck, sondern Beratung. Wer den Bedarf des Kunden besser kennt als der Kunde selbst und proaktiv Lösungen anbietet, baut langfristige, tiefe Beziehungen. Und genau diese sind die profitabelsten.

Häufige Fragen

Wie oft soll ich Upselling versuchen?

Einmal pro Quartal mit A-Kunden ist genug. Nicht als Verkaufstermin, sondern eingebettet in natürliche Beziehungspflege.

Was, wenn mein Kunde Upselling-Versuche als aufdringlich empfindet?

Dann hast du zu früh oder zu direkt verkauft. Zurück zum Fragen-Modus: was braucht er? Nur wenn der Bedarf klar ist, Vorschlag machen.

Ist Upselling nur was für große Firmen?

Absolut nicht. Handwerker, Berater, Coaches – alle haben Upsell-Möglichkeiten. Wartungsverträge, Erweiterungen, Zusatzleistungen passen fast überall.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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