Ratgeber

Gehalt verhandeln – für Chefs: wie viel ist fair?

Thomas Thier 09. April 2025 5 min Lesezeit

Mitarbeiter kommen mit Gehaltswunsch. Als Chef sollst du entscheiden: passt das? Zu niedrig verärgert. Zu hoch frisst die Marge. Die Wahrheit: es gibt kein "richtiges" Gehalt – nur eines, das zu Leistung, Markt und Unternehmens-Situation passt.

Die drei Dimensionen der Bewertung

Ein faires Gehalt orientiert sich an drei Faktoren:

  • Marktwert: was zahlen vergleichbare Betriebe in der Branche und Region?
  • Leistungswert: was bringt der Mitarbeiter diesem konkreten Betrieb?
  • Unternehmens-Fähigkeit: was kann der Betrieb sich leisten, ohne die Marge zu zerstören?

Alle drei müssen sich treffen. Nur nach einem zu entscheiden, ist Glücksspiel.

Marktwert recherchieren

Bevor du ins Gespräch gehst:

  • Gehaltsrechner online (Kollektivverträge für Österreich: WKO, IV, Branchenverbände)
  • Austausch mit anderen Unternehmern deiner Branche
  • Stellenanzeigen vergleichen (oft transparent)
  • Bewertungsplattformen für Arbeitgeber (mit Vorsicht, aber als Richtwert)

Ziel: kenne eine realistische Range (z.B. € 2.800–3.400 brutto für die Position) bevor du verhandelst.

Leistungswert einschätzen

Was bringt der Mitarbeiter diesem Betrieb konkret?

  • Direkt verrechenbare Arbeit (bei Handwerkern, Dienstleistern)
  • Produktivität (Aufgaben pro Zeit)
  • Qualität und Selbstständigkeit (wenig Nacharbeit, wenig Fragen)
  • Zuverlässigkeit (pünktlich, verlässlich)
  • Initiative (bringt eigene Ideen, treibt voran)

Ein Mitarbeiter, der € 60.000 pro Jahr Umsatz generiert, sollte deutlich mehr verdienen als einer mit € 30.000 – bei gleicher Position.

Unternehmens-Fähigkeit berechnen

Die oft ignorierte Perspektive. Rechne für jeden potenziellen Mitarbeiter:

  • Gesamtkosten (Brutto × 1,5)
  • Notwendiger Deckungsbeitrag, den er/sie erwirtschaften muss
  • Auswirkung auf Gesamtmarge des Betriebs

Ein Mitarbeiter, der die Marge auf unter 15 % drückt, ist finanziell ein Problem – egal wie gut er ist.

Das Gespräch führen

Empfehlung: zuerst der Mitarbeiter nennt seine Vorstellung. Dann du deine Antwort:

  • Wenn Wunsch im Bereich des Vernünftigen: zustimmen
  • Wenn Wunsch unter deinem Angebot: das höhere anbieten (positive Überraschung)
  • Wenn Wunsch über deinem Rahmen: offen kommunizieren, Kompromiss suchen (z.B. Stufen-Plan über 12 Monate)
Verhandlungs-Trick der Arbeitgeber: nie das Maximum direkt bieten. Aber: ehrlich und fair bleiben – unterbezahlte Mitarbeiter kündigen im ersten Jahr.

Jährliche Anpassungen

Ohne regelmäßige Anpassungen erodieren Gehälter im Vergleich zum Markt:

  • Mindestens Inflationsausgleich jährlich (3–5 %)
  • Bei guter Leistung: Leistungs-Aufschlag (+3–7 %)
  • Alle 2–3 Jahre eine größere Anpassung, wenn sich Rolle/Verantwortung entwickelt

Wer jährlich anpasst, muss seltener größere Sprünge machen – und verliert weniger gute Mitarbeiter an Wettbewerber.

Nicht nur Gehalt zählt

Jenseits der Grundbezüge:

  • Flexible Arbeitszeiten (oft hoher Wert)
  • Home-Office-Tage
  • Zusätzliche Urlaubstage
  • Weiterbildungs-Budget
  • Firmenwagen oder E-Bike
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Gesundheits-Benefits
  • Essenszuschüsse

Oft emotionaler Wert größer als der monetäre. Und für dich kosten sie in Summe oft weniger als äquivalente Gehaltserhöhung.

Fazit

Faire Bezahlung ist eine Balance aus Marktwert, Leistung und Unternehmens-Realität. Wer zu niedrig zahlt, verliert Menschen. Wer zu hoch zahlt, zerstört Margen. Transparente, ehrliche Kommunikation über alle drei Faktoren ist die beste Grundlage für nachhaltige Beschäftigungs-Verhältnisse.

Häufige Fragen

Soll ich alle Gehälter im Team transparent machen?

Radikale Transparenz funktioniert bei wenigen Kulturen. Meist besser: Klare Gehalts-Bänder pro Position, die für alle sichtbar sind – individuelle Gehälter privat.

Was, wenn ein Mitarbeiter deutlich unter Markt bezahlt ist?

Proaktiv anpassen – nicht warten, bis er/sie selbst verhandelt (oder einfach geht). Signalisiert Wertschätzung und spart Neu-Such-Kosten.

Variabler Lohn (Provision, Boni) sinnvoll?

Wenn Leistung gut messbar: ja. Wenn subjektiv/schwer messbar: eher Fixum + klare Feedback-Gespräche. Falsch aufgesetzte variable Komponenten demotivieren.

Thomas Thier
Über den Autor

Thomas Thier

Gründer von infinia und täglich in der Praxis von IT-Beratung und Business-Software zu Hause. Schreibt hier aus der Realität von Selbstständigen und KMU – ohne BWL-Geschwafel, mit konkreten Beispielen aus der täglichen Arbeit.

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